Gott/Spiritualität/Religion& Hirnforschung
Ich war übrigens selbst mal kurz davor dem Judentum beizutreten. Ich hatte schon so ziemlich alles für die Prüfung vor den Rabbinern gelernt, jedenfalls das was ich für wichtig hielt. Ich wurde ja (ohne mich dagegen wehren zu können) christlich getauft und auch so erzogen aber ich stellte fest, dass das irgendwie für mich nicht das passende war. Am Judentum hat mir folgendes gefallen: Das Judentum missioniert nicht, man versucht nicht seine Mitmenschen aufgrund des eigenen gesteigerten Sendungsbewusstseins durch Überrumpeln, Überreden oder Überzeugen anzuwerben. Außerdem wird im Judentum das Denken u.A. durch das Diskutieren geschult. Statt sich nur blind auf Gott zu verlassen, darf man selbst denken. Ich sehe das nämlich so: Falls es einen (Schöpfer-)Gott gäbe, der die Menschen geschaffen hat, dann hat er den meisten Menschen ein ganz gut funktionierendes Gehirn geschenkt hat. Man sollte dieses Geschenk dann auch etwas nutzen dürfen. Glaube muss auch keine Einbahnstraße sein, man sollte nicht nur an Gott glaube, vielleicht glaubt ja Gott auch an dich, dass du es selbst regelst. Außerdem wird im Christentum erwartet, dass man sich Jesus nicht nur als Vorbild nimmt sondern geradezu anstrebt selbst zu einer Art Jesus zu werden. Man soll total altruistisch sein und für seine Überzeugung am Besten auch noch bereit sein zu sterben. So wird es einem Menschen erschwert einen gesunden Egoismus und einen gesunden Ehrgeiz (Kämpfernatur) zu entwickeln. Man muss ja nicht gleich ein Turboraubtierkapitalist sein, wenn man ausnahmsweise auch mal an sich denkt. Wenn man das selbst nicht tut, macht es auch sonst keiner. Und so kommt es wie es kommen muss: Manche Menschen wollen geradezu zwanghaft helfen und stellen ihre eigenen Bedürfnisse und ihre Eigensicherung lange zurück aber der Krug geht solange bis zum Brunnen bis er bricht. Diese Menschen werden irgendwann aufgrund ihrer Tätigkeit selbst hilfebedürftig. Wem genau ist damit jetzt in der Summe geholfen? Es existiert sogar ein Helfersyndrom, von dem einige Menschen in sozialen Berufen betroffen sind. Sie machen stets ein Hilfsangebot auch wenn niemand der Hilfe bedarf. Man kann jemanden durch Übernahme aller Erledigungen auch entfähigen. Es ist aber nie zu meinem Übertritt ins Judentum gekommen. Ich verhalte mich nämlich nicht immer total logisch. In diesem Fall war es so: Zuerst informiere ich mich ausführlich über das Angebot der verschiedenen Religionen, dann zog ich einige in die engere Wahl und stieg etwas tiefer in die Materie ein und dann... entscheide ich mich letztlich dafür Atheist an der Grenze zum Agnostiker zu werden. Die Zeit war aber nicht verschwendet, ich habe viele interessante Informationen und Gedankengänge mitnehmen können, die mir vielleicht an völlig anderer Stelle weiterhelfen können. Der Diskordianismus gefiel mir auch. Er scheint zwar auf den ersten Blick vielleicht total lächerlich zu sein. Aber es machen auch einige Dinge wirklich Sinn, z.B. "Es ist einem Diskordier verboten zu glauben was er liest". Paradoxon hin, Paradoxon her: Diesen Satz kann in Zeiten von Fakenews und alternativen Fakten gar nich fett genug schreiben. Ich habe ihn unter Berücksichtigung von neuerer Hirnforschung und psychiatrischen/psychologischen Erkenntnissen erweitert zu: "Es ist verboten zu glauben, was man wahrnimmt" oder sogar zu: "Es ist verboten zu glauben was man glaubt", was schließlich in dem Satz endete: Ich glaube zu wissen, dass ich nur zu wissen glaube - aber auch das bilde ich mir vielleicht nur ein, falls es mich überhaupt gibt. Genau darauf legen es ja einige Leute an. Geheimdienste z.B. sind dafur bekannt, dass sie sich nicht klar zu etwas äußern, falls sie sich überhaupt äußern. Sie möchten Eindrücke erwecken, welche im Kopf des Rezipienten zu einer höchstpersönlichen Schlussfolgerung führen sollen. Was ist überzeugender als ein selbst gefasster und überzeugend hergeleitete Schlussfolgerung? Aber genau das ist die Absicht des Täuschens. Die größte Gefahr für das eigene Denkvermögen ist es sowieso, den eigenen Mist bedingunglos zu glauben. Während viele Religionen den puren Glauben an erste Stelle setzen, lädt der Diskordianismus, der übrigens auch Atheisten akzeptiert, dazu ein, selbst nachzudenken. Ich bin kein echter Diskordier geworden, habe mich aber von ihm inspirieren lassen lassen. Genauso wie vom Judentum, dehalb habe ich auch den Davidstern in meinem Banner. Übrigens ist der Davidstern kein exklusives Symbol einer Religion oder eines Staates. Das Hexagramm war schon lange vorher bekannt. Interessanterweise kann man durch Iteration, mit einem Dreieck beginnend, ein Fraktal namens (pathologische) Koch-Kurve erzeugen, dieses interessante mathematische Konstrukt hat einen unendlich langen Rand. Und schwarz ist mein Hexagram weil mir schwarz im Allgemeinen einfach gefällt. Da der Diskordianismus dazu aufruft, sich selbst zum Papst zu erklären und Unfehlbarkeit für sich zu beanspruchen, habe ich das getan und mir einen Wunschgott gebastelt. Da ich Star-Trek-Fan bin, habe ich einfach einen sogenannten Q zu meinem Gott erklärt, wenn ich auch an diesen nicht wirklich glaube. Wenn es entgegen meiner Annahme doch einen Gott geben sollte, dann hat er vielleicht auch Humor und ist dem Diskordianismus gar nicht so abgeneigt. Vielleicht darf aber auch jeder seine eigene individuelle Beziehung zu Gott entwickeln und muss sich nicht eine Religion von der Stange überstülpen lassen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Gott sagt: Der soll Atheist werden, der soll nicht an mich glauben. Ob es überhaupt einen Gott gibt und ob er sowas machen würde entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, ich kann das weder bestätigen noch widerlegen. Es deutet vieles darauf hin, dass das Christentum eine politsch motivierte römische Geschichte ist, die zweckmäßigerweise aufrecht erhalten wurde. Was gibt es besseres als eine echten Gott, der für die Einhaltung der Regeln, die so gestaltet sind, dass die "richtigen" auf der Siegerseite sind. Wenn ich mit meinem Atheismus falsch liegen sollte, erwartet mich halt das Gottesgericht nach meinem Tode. Es wurde mir auch schon vorgeworfen, dass ich meinen Gottesglauben durch einen blinden Wissenschaftsglauben ersetzt hätte. Energieerhaltungssatz und Relativitätstheorie seinen jetzt meine Götter. Keine Sorge, ich traue auch der Wissenschaft nicht bedingungslos, ich habe mich auch mit Betrug und Fälschung in der Wissenschaft beschäftigt. Auch mit kritischen Statements von Wissenschaftlern, die u.A. sagen, dass in der Wissenschaft nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Interessante Dinge werden totgeschwiegen, es wird immer mehr darauf geachtet, dass bei Forschung etwas herausspringt womit irgendjemand letztlich Geld verdienen kann oder es geht z.B. nur darum möglichst oft zitiert zu werden oder in Fachmagazinen zu veröffentlichen. Ich habe also eine gesunde Skepsis entwickelt. Der von mir geschätzte Harald Lesch z.B. sagte mal in Bezug auf Wissenschaft: Wir haben uns damit hochgeirrt. Das ist wohl war und ich muss noch hinzufügen, dass mir nichts besseres als Wissenschaft bekannt ist, um zu Erkennissen zu gelangen. Wenn und solange das so ist, setze ich persönlich daher auf die Wissenschaft. Die Erklärungen der Naturwissenschaft sind zwar nicht abschließend, aber sie sind wahrscheinlich schon ziemlich dicht an der Wirklichkeit. Ich bin jedenfalls damit relativ zufrieden. Trotzdem gilt grundsätzlich folgendes: Was immer du glaubst, es hält dich gefangen! Glaube macht also blind für Phänomene und daraus resultiert folgendes: "Menno, nur weil ich blind bin, kann ich nicht sehen!"

Hat Gott den Menschen geschaffen oder hat der Mensch Gott geschaffen?
Auch wenn ich mir damit keine Freunde mache. Ich muss es einfach sagen: Bei Gehirnscans wurde festgestellt, dass bestimmte Bereiche bei spirituellen/religiösen Gedanken (z.B. beim Beten) besonders stark durchblutet werden. Es scheint so als ob der Glaube an übernatürliche Dinge im Gehirn verankert ist, vielleicht letztlich sogar genetisch bedingt ist. Die Psychiater trauen sich natürlich nicht, einen Großteil der Weltbevölkerung für krank zu erklären, sonst gäbe es schon lange eine ICD-10-F23.5. Diagnose: Glaube an übernatürliche Dinge, z.B. Gottheiten. Auch die Homosexualität war einst per Definition eine Krankeit, auf allgemeinen Druck wurde diese Diagnose entfernt, denn die Schwulen und Lesben haben eine durchaus einflussreiche Lobby aufgebaut. Auch wenn jemand die Anwesenheit des Herrn persönlich irgendwie als Wärmegefühl oder so spürt: Es wäre denkbar, dass er sich das alles nur einbildet. Das Gehirn kann sehr kreativ und überzeugend sein, es kann auch kritisches Denken wegbügeln und Gedächtniszugriffe verhindern, wie es z.B. in einem Traum geschieht. Der größte Quark wird nicht als solcher erkannt. Übrigens allgemeines 'magisches Denken' ist grundsätzlich mal psychiatrisch erfasst. Ich muss allerdings fairerweise dazu sagen, dass die Anhänger dieser Weltanschauungen teilweise behaupten, dass immer genau dann wenn die Wissenschaft genau hinsieht, die Phänomene nicht stattfinden. Das ist zumindest mal grundsätzlich nicht undenkbar, denn z.B. gibt es in der Quantenphysik Experimente wo ein Beobachter mit Bewusstsein, das Experiment beeinflusst, er ist also kein neutraler Außenstehender sondern wird sozusagen Teil des Experiments. Aber diese Phänomene sind wenigstens reproduzierbar, ein Labor in Kanada, kann genauso wie ein Labor in China dieses Experiment nachstellen und zum gleichen Ergebnis gelangen. Diese unwissenschaftlichen Geschichten stehen also, meiner bescheidenen Meinung nach, auf recht dünnem Eis. Es wurde übrigens festgestellt, dass Atheisten im Schnitt einen höheren IQ aufweisen als Gläubige, dass muss aber garnichts, schon gar nicht im Einzelfall etwas heißen. Man muss fairerweise dazu sagen, dass z.B. der als personifizierte Intelligenz oft genannte Einstein, ein gottesgläubiger Mensch war. Er sagte z.B. Gott würfelt nicht, was mit: Hören sie auf Gott Vorschriften zu machen, beantwortet wurde. Außerdem finden manche Menschen über die Wissenschaft zu Gott, umso mehr sie erfahren umso sicherer sind sie sich, denn es kann einfach nicht sein, dass dieses Wunderwerk mehr oder weniger zufällig entstanden ist, es muss jemand dahinterstecken.

Was wäre wenn ein Gott existierte?
Wenn ein Gott existieren würde, der sich in irgendeiner Form einmischen würde, dann wäre das vielleicht das Ende der bekannten modernen Wissenschaft. Wie genau soll man Gott in einer Formel als Variable bzw. als Einflussfaktor berücksichtigen? Es gibt zwar z.B. "Ockhams Rasiermesser", d.h. man soll immer die einfachste Theorie bevorzugen und wenn man jede Frage mit "Ganz einfach: Gott will es so, genau deshalb ist es so!", beantworten kann, dann ist das tatsächlich das Einfachste. Aber es wird auch darauf hingewiesen, dass ausdrücklich die einfachste Theorie nicht die richtige sein muss, es ist denkbar, dass die Wahrheit viel komplizierter und komplexer ist, auch wenn Theorien rechnerisch und experimentell bestätigt werden, könnte das z.B. an bisher unbekannten kompensierenden Effekten liegen, die immer genau so wirken, dass die einfache Variante im Rahmen von Messungenauigkeiten hinhaut. Selbst wenn eine Art Gott existierte, der per Definition allmächtig und allwissend sein müsste, heißt das noch lange nicht, dass er sich irgendwie einmischen würde. Wie kommt überhaupt u.A. Religion zu Stande: Die Sensation: Irgendein bekiffter Viehhirte hat mal plötzlich mit Gott gesprochen, irgendwer schnappt das auf und trägt es weiter und irgendwann 300 Jahre später schreibt jemand das ganze Zeugs zusammen, wobei unterwegs jeder was an der Story verändert hat. Schwupps ist ein religiöses Werk entstanden, welches nicht angezweifelt werden darf! Da der allmächtige Gott die Hilfe verschiedener Viehhirten benötigt, kommt es zu verschiedenen Versionen mit anschließendem Gekloppe der Gläubigen, nämlich darum, wer mit siner Ansicht Recht hat. Das soll übrigens keine Blasphemie (Gotteslästerung) und kein Sakrileg ()Vergehen/Frevel gegen Personen, Gegenstände, Stätten usw., denen religiöse Verehrung entgegengebracht wird) darstellen sondern eine grobe verkürzte Zusammenfassung.

Meine wahre Religion Wenn ich gezwungenermaßen irgendeine Religion angeben müsste, denn würde ich mich dazu hinreißen lassen zu sagen: Meine Religion ist der Zweifel. Ich halte es also mit René Descartes. Und das ist auch schon das Ende dieses Textes.


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