Ausgegrenzt
Gelegentlich kann man feststellen, dass z.B. Communities bestimmte Maildomains für eine Account-Registrierung nicht akzeptieren oder sogar, für den User völlig überraschend, bestehende Accounts nachträglich sperren. Die beanstandeten Maildomains gehören zu bestimmten Diensten, manchmal irreführend pauschal als "Wegwerfmaildienst" bezeichnet. Um diese pauschale Zuordnung nicht weiter zu fördern, werde ich von hier an abgrenzend den Begriff SPAM-Schutz-Adressen verwenden.

Die Gründe
Für Panik seitens der Betreiber von etwa Foren jedenfalls, besteht kein Anlass. Erfahrene Boardadministratoren wissen es längst: Viele User nutzen solche Adressen gar nicht um sie wirklich ständig "wegzuwerfen" sondern lediglich dazu, um im Bedarfsfall (Erstmaliger SPAM-Eingang) schnell auf eine alternative Adresse wechseln zu können. Ist eine Adresse nämlich erstmal bei Spammern bekannt, ist daran in der Regel nichts mehr zu ändern, zwar können Filter mittlerweile mit durchaus erstaunlich guten Quoten SPAM von erwünschten Nachrichten unterscheiden, jedoch bleibt immer ein gewisse Fehlerquote: Vermisst man also eine Mail, bleibt - trotz aller Technik - nur der manuelle Blick in den Spamordner. Versender berechtigter Mail können ein Lied davon singen, wie oft man die User darauf hinweisen muss, in ihre Spamordner zu schauen.

Vielleicht sind ja rechtliche, namentlich Haftungsgründe, ausschlaggebend für die Entscheidung bestimmte SPAM-Schutz-Adressen zu sperren. Immerhin eignen sich diese Accounts ja bekanntlich besonders gut für z.B. widerrechtliche Aktivitäten, weil jeder einfach so einen Account registrieren kann, während ein User bei den großen bekannten Maildiensten aufwendigste Authentifizierungsverfahren durchlaufen muss, bevor er die begehrte Mailadresse benützen kann. Ach, das ist gar nicht wahr? Na, dann... fällt dieses Argument wohl auch weg.

Das Gegenteil ist sogar teilweise zutreffend. Immerhin sind einige Tarife der sogenannten Wegwerfdienste kostenpflichtig, der User hinterlässt also zusätzlich bei einem Bezahlvorgang Spuren. Ob diese im Ernstfall tatsächlich verwertbar oder gar zielführend sein können, sei dahingestellt. Aber das soll auch nicht des Boardadmins Sorge sein, dessen Verantwortungsbereich ja unmöglich im gesamten Internet bzw. der gesamten realen Welt liegen kann.

Jetzt könnte man noch einwenden, dass man bei z.B. den großen bekannten Mailanbietern ja auch schnell eine neue Mailadresse generieren kann um anschließend die "verbrannte" Mailadresse zu löschen. Das ist zutreffend, jedoch haben manche Mailanbieter, zum Schutz des Bestandes freier Adressen, gewisse Schutzmechanismen eingebaut, z.B. kann man innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nur eine bestimmte Anzahl neuer Adressen generieren bzw. löschen - dann wird die Funktion - zumindest temporär - gesperrt. Ob diese Anzahl im Einzelfall ausreicht, kann hier nicht pauschal beurteilt werden.

Verschwörung?
Für derartige Deutungen besteht an dieser Stelle kein Anlass aber vielleicht für handfeste wirtschaftliche Interessen. Auch dem Durchschnittsanwender ist es sicher nicht verborgen geblieben, dass am Thema SPAM ein Markt hängt - es geht also wie so oft auch um's Geld. Schon öfter wurden sogenannte Wegwerfadressen von Spammern zwecks Spammens missbraucht - die Durchschaubarkeit des Ziels dieser und ähnlicher Attacken, wird nur noch von ihrer Zwecklosigkeit übertroffen: SPAM-Schutz-Adressen in Verruf zu bringen und somit den Weg für die Spammer wieder freimachen, die ganz nebenbei an der begrifflichen Verwirrung und Verwechslung von SPAM-Schutz-Adressen mit sogenannten "Wegwerfadressen" nicht ganz uninteressiert sein dürften.

Auf den Punkt
Nachdem sich der geneigte Leser bis hierhin elegant, zwar nicht am Thema vorbei, jedoch schon ein wenig über eine offen geführte Scheindiskussion informiert hat, soll er dafür nun endlich auch mit den Gründen, die in Wahrheit in der überwiegenden Anzahl der Fälle hinter der restriktiven Haltung der Communitybetreiber stecken dürften, belohnt werden. Es ist dem ein oder anderen Communitybetreiber - und natürlich auch den aktiven Mitgliedern - nicht unbedingt so recht, wenn sich User mal eben schnell für eine einzige Aktivität - oftmals eine einzige Frage, nicht selten auch noch im falschen Bereich unter Missachtung aller Regeln für dieselben - anmeldet, und ansonsten - von vorneherein - nicht wirklich die Absicht hat, auch zumutbar etwas für das Gelingen der Community beizutragen (Geben und nehmen...) Und dafür dürften tatsächlich immer öfter auch Wegwerfadressen genutzt werden.

Die andere Seite
Solcherlei Vorgehen könnte seinen oder wenigstens einen Grund jedoch auch darin haben, dass relativ wenige Communities einen schlichten "Account deaktivieren"-Button aufweisen, somit auch der User evtl. einem - allerdings wohl eher theoretischem - Risiko ausgesetzt ist, wenn er diesen einfach "verwaisen" lässt und irgendwie Unfug mit diesem Account getrieben werden sollte.

Der Verdacht, dass Communitybetreiber selbst doch nicht ganz uninteressiert an einer möglichst hohen repräsentativen Accountanzahl wären, ist dagegen leicht zu widerlegen. Natürlich ist eine hohe Nutzerzahl das Aushängeschild vieler Communities, jedoch wissen erfahrene User und auch Werbetreibende es längst: Die Anzahl der registrierten Accounts korreliert nicht zwingend mit der Anzahl wirklich aktiver (Karteileichen etc.) oder gar existenter User (Fake-Accounts etc.) Die Anzahl verwilderter Communities, die ernsthaft in das Interesse der Werbewirtschaft geraten, dürfte - zumindest abseits des Stöhnbereichs - vermutlich auch gut überschaubar sein.

Was kann ein Community-Betreiber tun?
Die Unterscheidung ob ein potentielles Neumitglied die Absicht hat, den Community-Account möglicherweise nach Beantwortung seiner einzigen Frage nebst Mailadresse alsbald wieder zu vergessen (create & forget) oder sich wirklich bloß vor SPAM schützen möchte, ist nicht einfach. Neben den üblichen vorbeugenden, jedoch oftmals auch zwecklosen Maßnahmen, wie F.A.Q., Chat und allgemeinen Verweisen auf Anbieter, die ihr Dasein dem Stellen mehr oder weniger guter Fragen und ebensolcher Antworten gewidmet haben, bleiben im Wesentlichen nur Maßnahmen, die ein gewisses weiteres rechtliches Risiko mit sich bringen könnten, wie z.B. (hoffentlich) gut beobachtete Bereiche, die pauschal oder nach Beitragsprüfung, für Beiträge unregistrierter Nutzer freigegeben sind. Alternativ ist auch ein frei verfügbarer Gast-Login (evtl. auch individuell generiert und zeitlich oder hinsichtlich der Loginanzahl begrenzt) denkbar, teilweise kursieren solche - offenbar unauthorisiert von Usern generierte und veröffentlichte - Logins ja bereits offen im Web. Zumindest für Comminities, die sich sehr heiklen oder begehrten Themen (Konkurrenz) widmen, sicher nicht empfehlenwert. Die weiteren Lösungen sind derzeit noch eher Nischenlösungen und man wird abwarten müssen ob sie sich auch allgemein bewähren und tatsächlich breit Eingang in den Alltag finden.

Die Ernte
Belohnt werden solche Maßnahmen, die natürlich alle ihre Vor- und Nachteile haben, evtl. mit einem im Übrigen geordneten Betrieb und einfacherer Wartung. Z.B. könnten die üblichen Anfragen Accountlöschung betreffend - idealerweise Off Topic mitten in eine andere Diskussion hineingepostet, etwas reduziert werden. Auch könnte so mancher Admin nun endlich die versehentliche "Fehlkonfiguration", welche dafür verantwortlich ist, dass Aktivierungslinks erst relativ spät abgesendet werden und als ersten Eindruck evtl. einen genervten User zurücklässt, beseitigen. Auch könnten etwa hilfsbereite Mitglieder nun besser entscheiden, ob und wieviele Ressourcen sie in die Problemlösung des potentiellen neuen Mitglieds stecken, immerhin ist es nicht ausgeschlossen, dass ein höflich behandelter Gelegenheitsfrager langfristig doch ein aktives Mitglied wird.

Was bleibt...
ist die Erkenntnis, dass es keine Lösung gibt, die allen denkbaren Interessen unter allen Umständen absolut gerecht wird, vielleicht nicht geben kann. Lösungen werden somit wohl immer bestenfalls akzeptable Kompromisse sein.

(Um ein wenig die Luft rauszunehmen: Ich war selbst jahrelang - neben moderierender Tätigkeit - mit der technischen Administration einer Community betreut. Andererseits war und bin ich ebenfalls einfacher User bei diversen Communities. Ich weiß... Adjektive usw...ja.ja...stimmt..alles...aber ich habe mir für sowas eine etwas lockerere Schreibweise angeeignet :)

by 23-absTRact-23